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Geschichte der Justizvollzugsanstalt München
- Überblick -
Dauernde Überfüllung der Münchner Gefängnisse
Baaderstraße, Lilienberg und Anger führten 1892 zu Überlegungen,
durch den Bau eines Zentralgefängnisses der permanenten Überfüllung
und den baulichen Mängeln abzuhelfen. So entstand im Jahre 1894 vor den
Toren Münchens, auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Areal Stadelheim
in Giesing, das Köngliche Strafvollstreckungsgefängnis Stadelheim,
im Volksmund auch St. Adelheim genannt.
Der erste Bauabschnitt konnte 465 Gefangene aufnehmen. Bereits vier Jahre
später war ein Neubau notwendig, der auf dem südlichen Anstaltsgelände
errichtet wurde. Sowohl der erste Bauteil, der Nordbau, als auch der vier Jahre
später errichtete Südbau gelten als historische Bausubstanz und sind
teilweise denkmalgeschützt. Die Bevölkerungszunahme in München und
die Auflösung zahlreicher Gerichtsgefängnisse in der Region machten
1955 Überlegungen notwendig, die Münchner Gefängnisse Stadelheim,
Neudeck und Corneliusstraße zusammenzuführen und damit die Voraussetzung
für einen modernen Strafvollzug zu schaffen.
1958 wurde mit dem Bau von zwei weiteren Haftbauten für je 300 Gefangene,
dem Ost- und Westbau, begonnen. Zeitgleich wurde eine Umwehrungsmauer für das
14 ha große Areal, ein Heizwerk, sowie Wirtschafts-, Betriebs- und
Verwaltungsbauten errichtet. Nord- und Südbau, um 1900 noch ohne WC`s gebaut,
wurden saniert. Dieser größte Bauabschnitt in der Geschichte Stadelheims
konnte Anfang der 70er Jahre abgeschlossen werden. Erst mit der Fertigstellung eines
weiteren Haftbaus, dem Neubau Anfang der 80er Jahre war der Endausbau erreicht.
Stadelheim verfügte somit über 1.500 Haftplätze, die durch
Notbelegungsmaßnahmen (Etagenbetten u.a.) über 2.100 Gefangene
aufnehmen kann.
Der bisher höchste Gefangenenstand war am 9.11.1993 mit
1.969 Gefangenen verzeichnet. Zeitgleich mit dem Neubau wurde eine große
Werkhalle, in der bis zu 400 Gefangene beschäftigt werden können,
errichtet. In diesem Bereich werden überwiegend Arbeiten für private
Auftraggeber verrichtet. Parallel hierzu wurde ein kleiner Handwerkerhof geschaffen,
in dem ein Teil der Eigenbetriebe (Schreinerei, Malerei, Schlosserei, Baubetrieb
und Kfz.-Werkstätte) untergebracht ist. Die Frauenabteilung mit etwa
85 Haftplätzen sowie die Jugendarrestanstalt sind seit 1969 in der
Außenstelle Am Neudeck untergebracht. Eine weitere Außenstelle
befindet sich mit der Freigängerabteilung in der Leonrodstraße 53.
In seiner über 100jährigen Geschichte war Stadelheim auch Schauplatz
der jeweiligen politischen Gegebenheiten. So verbüßte der Schriftsteller
Ludwig Thoma 1906 eine sechswöchige Haftstrafe wegen Beleidigung der
Sittlichkeitsvereine in Stadelheim. Führende Köpfe der Räterepublik
und Arbeiterbewegung wie Gustav Landauer, Eugen Levine oder Ernst Toller waren
hier ebenso inhaftiert wie Graf Arco, der das Attentat auf Ministerpräsident
Kurt Eisner verübte. Die Erschießung des SA-Stabschefs Ernst Röhm
am 1. Juli 1934 in seiner Zelle ließ ahnen, welch düsteres Kapitel
für Stadelheim anbrechen würde. Während von 1895 bis 1927 14
Hinrichtungen vollzogen wurden, kamen von 1933 bis 1945 mindestens 1035 Gefangene
zu Tode.
Unter ihnen die Widerstandskämpfer der Weißen Rose, Sophie und
Hans Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Prof. Kurt Huber, Willi Graf
und Hans Leipelt. An die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
erinnert ein Denkmal, das 1974 in Anwesenheit des ehemaligen bayerischen
Ministerpräsidenten, Prof. Wilhelm Hoegner, eingeweiht wurde.
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