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Informationen zum Strafvollzugsgesetz
22. Rechtsbehelfe
22.1
Der Gefangene erhält Gelegenheit, sich mit Wünschen, Anregungen und Beschwerden in Angelegenheiten,
die ihn selbst betreffen, an den Anstaltsleiter zu wenden. Das Nähere regelt die Hausordnung.
22.2
Gegen eine Maßnahme zur Regelung einzelner Angelegenheiten auf dem Gebiete des Strafvollzuges kann
gerichtliche Entscheidung beantragt werden. Mit dem Antrag kann auch die Verpflichtung zum Erlass
einer abgelehnten oder unterlassenen Maßnahme begehrt werden.
Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung ist nur zulässig, wenn der Antragsteller geltend macht, durch
die Maßnahme oder ihre Ablehnung oder Unterlassung in seinen Rechten verletzt zu sein. Das Landesrecht
kann vorsehen, dass der Antrag erst nach vorausgegangenem Verwaltungsvorverfahren gestellt werden
kann.
22.3
Über den Antrag entscheidet die Strafvollstreckungskammer, in deren Bezirk die beteiligte
Vollzugsbehörde ihren Sitz hat. Durch die Entscheidung in einem Verwaltungsvorverfahren ändert sich
die Zuständigkeit der Strafvollstreckungskammer nicht.
22.4
Der Antrag muss binnen zwei Wochen nach Zustellung oder schriftlicher Bekanntgabe der Maßnahme oder
ihrer Ablehnung schriftlich oder zur Niederschrift der Geschäftsstelle des Gerichts gestellt werden.
Soweit ein Verwaltungsvorverfahren durchzuführen ist, beginnt die Frist mit der Zustellung oder
schriftlichen Bekanntgabe des Widerspruchsbescheides.
War der Antragsteller ohne Verschulden verhindert, die Frist einzuhalten, so ist ihm auf Antrag
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren. Der Antrag auf Wiedereinsetzung ist binnen zwei
Wochen nach Wegfall des Hindernisses zu stellen. Die Tatsachen zur Begründung des Antrages sind bei
der Antragstellung oder im Verfahren über den Antrag glaubhaft zu machen. Innerhalb der Antragsfrist
ist die versäumte Rechtshandlung nachzuholen. Ist dies geschehen, so kann die Wiedereinsetzung auch
ohne Antrag gewährt werden. Nach einem Jahr seit dem Ende der versäumten Frist ist der Antrag auf
Wiedereinsetzung unzulässig, außer wenn der Antrag vor Ablauf der Jahresfrist infolge höherer Gewalt
unmöglich war.
22.5
Wendet sich der Antragsteller gegen das Unterlassen einer Maßnahme, kann der Antrag auf gerichtliche
Entscheidung nicht vor Ablauf von drei Monaten seit dem Antrag auf Vornahme der Maßnahme gestellt
werden, es sei denn, dass eine frühere Anrufung des Gerichts wegen besonderer Umstände des Falles
geboten ist.
Liegt ein zureichender Grund dafür vor, dass die beantragte Maßnahme noch nicht erlassen ist, so
setzt das Gericht das Verfahren bis zum Ablauf einer von ihm bestimmten Frist aus. Die Frist kann
verlängert werden. Wird die beantragte Maßnahme in der gesetzten Frist erlassen, so ist der
Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt. Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung ist nur bis zum
Ablauf eines Jahres seit der Stellung des Antrages auf Vornahme der Maßnahme zulässig, außer wenn die
Antragstellung vor Ablauf der Jahresfrist infolge höherer Gewalt unmöglich war oder unter den
besonderen Verhältnissen des Einzelfalles unterblieben ist.
22.6
Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung hat keine aufschiebende Wirkung.
Das Gericht kann den Vollzug der angefochtenen Maßnahme aussetzen, wenn die Gefahr besteht, dass die
Verwirklichung eines Rechts des Antragstellers vereitelt oder wesentlich erschwert wird und ein
höher zu bewertendes Interesse an dem sofortigen Vollzug nicht entgegen steht. Das Gericht kann auch
eine einstweilige Anordnung erlassen.
22.7
Das Gericht entscheidet ohne mündliche Verhandlung durch Beschluss.
22.8
Gegen die gerichtliche Entscheidung der Strafvollstreckungskammer ist die Rechtsbeschwerde zulässig,
wenn es geboten ist, die Nachprüfung zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen
Rechtssprechung zu ermöglichen. Die Rechtsbeschwerde kann nur darauf gestützt werden, dass die
Entscheidung auf einer Verletzung des Gesetzes beruhe. Das Gesetz ist verletzt, wenn eine Rechtsnorm
nicht oder nicht richtig angewendet worden ist.
Die Rechtsbeschwerde hat keine aufschiebende Wirkung.
22.9
Die Rechtsbeschwerde muss bei dem Gericht, dessen Entscheidung angefochten wird, binnen eines Monats
nach Zustellung der gerichtlichen Entscheidung eingelegt werden. In dieser Frist ist außerdem die
Erklärung abzugeben, inwieweit die Entscheidung angefochten und ihre Aufhebung beantragt wird. Die
Anträge sind zu begründen. Aus der Begründung muss hervorgehen, ob die Entscheidung wegen Verletzung
einer Rechtsnorm über das Verfahren oder wegen Verletzung einer anderen Rechtsnorm angefochten wird.
Ersterenfalls müssen die den Mangel enthaltenen Tatsachen angegeben werden.
Der Antragsteller als Beschwerdeführer kann dies nur in einer von einem Rechtsanwalt unterzeichneten
Schrift oder zur Niederschrift der Geschäfsstelle tun.
22.10
Über die Rechtsbeschwerde entscheidet ein Strafsenat des Oberlandesgerichts, in dessen Bezirk die
Strafvollstreckungskammer ihren Sitz hat. Der Strafsenat entscheidet ohne mündliche Verhandlung durch
Beschluss. Die Entscheidung des Strafsenats ist endgültig.
22.11
Die Möglichkeit der Dienstaufsichtsbeschwerde und des Petitionsrecht bleiben unberührt.
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