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Justizvollzug an weiblichen Gefangenen
In den bayerischen Justizvollzugsanstalten befanden sich 2010 durchschnittlich
783 weibliche Gefangene. Am 31. März 2011 waren
584 weibliche Strafgefangene sowie 48 Jugendstrafgefangene und 173 weibliche
Untersuchungsgefangene inhaftiert. Weibliche Sicherungsverwahrte gibt es derzeit
nicht.
Die weiblichen Gefangenen sind in 9 Justizvollzugsanstalten
untergebracht. Über die meisten Haftplätze (452) verfügt die
Justizvollzugsanstalt Aichach, die ursprünglich eine reine Frauenstrafanstalt
war, nunmehr aber - räumlich abgetrennt - auch über 144 Haftplätze für den
Männerstrafvollzug verfügt. Die Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt München
hat eine Belegungsfähigkeit von 160, die der Justizvollzugsanstalt Würzburg von 91 Haftplätzen.
In den 6 übrigen Justizvollzugsanstalten mit Frauenabteilung
können zwischen 12 und 63 weibliche Gefangene aufgenommen werden.
Freiheitsstrafe von mehr als 3 Monaten wird fast
ausschließlich in der Justizvollzugsanstalt Aichach vollzogen. Diese ist ferner
zuständig für den Vollzug der Jugendstrafe sowie für den Vollzug der Untersuchungshaft
und der Freiheitsstrafe an schwangeren Gefangenen nach Ablauf des 6. Monats der
Schwangerschaft. Dort besteht auch je eine Mutter-Kind-Einrichtung mit 10
Haftplätzen im geschlossenen und mit 6 Haftplätzen im offenen Vollzug für
Mütter mit Kindern, die bis zum Alter von vier Jahren bei ihren
inhaftierten Müttern untergebracht werden können.

(Mutter-Kind-Abteilung der Justizvollzugsanstalt Aichach)
In den übrigen Justizvollzugsanstalten sind lediglich Strafgefangene mit
vergleichsweise kurzen Freiheitsstrafen sowie Untersuchungsgefangene untergebracht. In der
2009 in Betrieb genommenen neuen Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt München ist eine
weitere Mutter-Kind-Einrichtung mit 10 Haftplätzen im geschlossenen Vollzug eingerichtet worden.
Im Durchschnitt sind gut die Hälfte der weiblichen
Strafgefangenen in Bayern in der Justizvollzugsanstalt Aichach untergebracht.
In der Justizvollzugsanstalt Aichach liegt der Anteil der
Einzelhaftplätze schon jetzt bei 70 %. Nach Abschluß der
Sanierungsmaßnahmen werden fast alle weiblichen Gefangenen einzeln untergebracht
werden können. In Würzburg und München beträgt der Anteil der
Einzelunterbringung etwa die Hälfte, in Nürnberg gut 1/3. In den übrigen
- kleineren - Frauenabteilungen ist
das Verhältnis zwischen Einzel- und Gemeinschaftsunterbringung unterschiedlich.
Die wesentlichen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten
befinden sich in der Justizvollzugsanstalt Aichach. Dort stehen für weibliche
Gefangene beispielsweise qualifizierte Ausbildungsplätze in anerkannten
Ausbildungsberufen wie Bäckerin, Friseurin, Köchin und Modenäherin zur
Verfügung. In den übrigen
Anstalten, in denen jeweils nur sehr kurze Strafen vollzogen werden, sind die
weiblichen Gefangenen, die nicht mit Hausarbeiten betraut sind, in der Regel
mit Arbeiten, die leicht zu erlernen und zu handhaben sind, beschäftigt, so
z.B. mit der Montage elektrotechnischer Artikel, Näharbeiten, Steckarbeiten,
Umpackarbeiten und leichteren Montierarbeiten.
Die vergleichsweise geringe Zahl der weiblichen
Gefangenen macht eine stärkere Zentralisierung als bei den männlichen
Gefangenen notwendig. Dies kann für die weiblichen Gefangenen Erschwernisse in
der Aufrechterhaltung oder Anknüpfung familiärer und sonstiger sozialer
Bindungen zur Folge haben (etwa 26 % der weiblichen erwachsenen
Strafgefangenen sind verheiratet, 29 % geschieden; die entsprechenden Zahlen
bei den männlichen Strafgefangenen sind 20 % bzw. 19 %).
Die Justizvollzugsanstalten sind daher bestrebt, positive
Sozialkontakte der weiblichen Gefangenen besonders zu fördern und sie soweit
wie möglich bei der Aufrechterhaltung ihrer familiären Bindungen zu
unterstützen. Dies geschieht beispielsweise durch Maßnahmen der Ehe- und
Familienberatung, die Vermittlung ehrenamtlich tätiger Organisationen und
Betreuer, familienfreundliche Besuchsregelungen und - bei geeigneten Gefangenen
- durch die Gewährung von Vollzugslockerungen und von Urlaub aus der Haft.
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