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Justizvollzug an weiblichen Gefangenen
In den bayerischen Justizvollzugsanstalten befanden sich 2008 durchschnittlich
796 weibliche Gefangene. Am 31. März 2009 waren
619 weibliche Strafgefangene sowie 39 Jugendstrafgefangene und 145 weibliche
Untersuchungsgefangene inhaftiert. Weibliche Sicherungsverwahrte gibt es derzeit
nicht.
Die weiblichen Gefangenen sind in 9 Justizvollzugsanstalten
untergebracht. Über die meisten Haftplätze (445) verfügt die
Justizvollzugsanstalt Aichach, die ursprünglich eine reine Frauenstrafanstalt
war, nunmehr aber - räumlich abgetrennt - auch über 144 Haftplätze für den
Männerstrafvollzug verfügt. Die Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt Würzburg
hat eine Belegungsfähigkeit von 91, die der Justizvollzugsanstalt München von 74
Haftplätzen. In den 6 übrigen Justizvollzugsanstalten mit Frauenabteilung
können zwischen 12 und 63 weibliche Gefangene aufgenommen werden.
Freiheitsstrafe von mehr als 3 Monaten wird fast
ausschließlich in der Justizvollzugsanstalt Aichach vollzogen. Diese ist ferner
zuständig für den Vollzug der Jugendstrafe sowie für den Vollzug der Untersuchungshaft
und der Freiheitsstrafe an schwangeren Gefangenen nach Ablauf des 6. Monats der
Schwangerschaft. Dort besteht auch je eine Mutter-Kind-Einrichtung mit 10
Haftplätzen im geschlossenen und mit 6 Haftplätzen im offenen Vollzug für
Mütter mit Kindern, die bis zum Alter von vier Jahren bei ihren
inhaftierten Müttern untergebracht werden können.

(Mutter-Kind-Abteilung der Justizvollzugsanstalt Aichach)
In den übrigen Justizvollzugsanstalten sind lediglich Strafgefangene mit
kurzen Freiheitsstrafen sowie Untersuchungsgefangene untergebracht.
Im Durchschnitt sind ca. zwei Drittel der weiblichen
Strafgefangenen in Bayern in der Justizvollzugsanstalt Aichach untergebracht.
In der Justizvollzugsanstalt Aichach liegt der Anteil der
Einzelunterbringung schon jetzt bei knapp 70 %. Nach Abschluß der
Sanierungsmaßnahmen werden fast alle weiblichen Gefangenen einzeln untergebracht
werden können. In Würzburg und München beträgt der Anteil der
Einzelunterbringung etwa 2/3, in Nürnberg gut 1/3. In den übrigen
- kleineren - Frauenabteilungen ist
das Verhältnis zwischen Einzel- und Gemeinschaftsunterbringung unterschiedlich.
Die wesentlichen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten
befinden sich in der Justizvollzugsanstalt Aichach. Dort stehen für weibliche
Gefangene beispielsweise qualifizierte Ausbildungsplätze in anerkannten
Ausbildungsberufen wie Bäckerin, Friseurin, Köchin und Modenäherin zur
Verfügung. In den übrigen
Anstalten, in denen jeweils nur sehr kurze Strafen vollzogen werden, sind die
weiblichen Gefangenen, die nicht mit Hausarbeiten betraut sind, in der Regel
mit Arbeiten, die leicht zu erlernen und zu handhaben sind, beschäftigt, so
z.B. mit der Montage elektrotechnischer Artikel, Näharbeiten, Steckarbeiten,
Umpackarbeiten und leichteren Montierarbeiten.
Die vergleichsweise geringe Zahl der weiblichen
Gefangenen macht eine stärkere Zentralisierung als bei den männlichen
Gefangenen notwendig. Dies kann für die weiblichen Gefangenen Erschwernisse in
der Aufrechterhaltung oder Anknüpfung familiärer und sonstiger sozialer
Bindungen zur Folge haben (etwa 32 % der weiblichen erwachsenen
Strafgefangenen sind verheiratet, 27 % geschieden; die entsprechenden Zahlen
bei den männlichen Strafgefangenen sind 25 % bzw. 20 %).
Die Justizvollzugsanstalten sind daher bestrebt, positive
Sozialkontakte der weiblichen Gefangenen besonders zu fördern und sie soweit
wie möglich bei der Aufrechterhaltung ihrer familiären Bindungen zu
unterstützen. Dies geschieht beispielsweise durch Maßnahmen der Ehe- und
Familienberatung, die Vermittlung ehrenamtlich tätiger Organisationen und
Betreuer, familienfreundliche Besuchsregelungen und - bei geeigneten Gefangenen
- durch die Gewährung von Vollzugslockerungen und von Urlaub aus der Haft.
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