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Justizvollzugsanstalt Würzburg

1. Historische Entwicklung der Anstalt

Seit 1895 diente ein Nebengebäude des Landgerichts in der Ottostraße im Stadtzentrum von Würzburg als Gerichtsgefängnis. Es hatte eine Belegungsfähigkeit von ca. 150 Gefangenen und war zuletzt im Hinblick auf Bausubstanz, Haftraumausstattung, Sicherheitstechnik und Arbeitsbedingungen nicht mehr zeitgemäß.

Im Herbst 1990 wurde deshalb am Stadtrand von Würzburg mit dem Bau einer neuen Justizvollzugsanstalt begonnen. Auf einem 17 ha großen Gelände entstand in zwei Bauabschnitten eine moderne Justizvollzugsanstalt mit über 600 Haftplätzen. Die Anstalt besteht aus einem geschlossenen Bereich, in dem fünf Unterkunftsgebäude, verschiedene Werkhallen, eine Krankenabteilung und eine psychiatrische Abteilung von einem 1,1 km langen Mauerring mit vier Türmen umzogen wird, sowie dem vor der Anstalt gelegenen offenen Vollzug und dem Jugendarrest. Am 12.12.1996 wurden die ersten Gefangenen aus der Ottostraße in die neue Anstalt umquartiert, am 08.07.1997 wurde die Anstalt in Anwesenheit des Bayerischen Staatsministers der Justiz eingeweiht.

2. Zuständigkeit

In der Justizvollzugsanstalt Würzburg wird Untersuchungshaft an Männern für den Landgerichtsbezirk Würzburg, bei Frauen für die Landgerichtsbezirke Würzburg und Schweinfurt vollzogen.

Für Strafhaft bei Frauen besteht eine Zuständigkeit für Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren für den Oberlandesgerichtsbezirk Bamberg sowie von drei Monaten bis zu zwei Jahren für den Landgerichtsbezirk Nürnberg/Fürth.

Strafhaft bei den Männern wird im Erst- und Regelvollzug für die Landgerichtsbezirke Ansbach, Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg bis zu maximal sechs Jahren Freiheitsstrafe vollzogen.

Die psychiatrische Abteilung ist zudem für die Dauer der Behandlungsbedürftigkeit für weibliche Gefangene, sowie männliche bis zum 18. Lebensjahr, weiterhin für Gefangene ab Vollendung des 18. Lebensjahrs aus dem Landgerichtsbezirk Bamberg und den Landgerichtsbezirken Ansbach, Nürnberg/Fürth zuständig.

3. Äußere Haftbedingungen

a) Belegungsfähigkeit:
männliche Inhaftierte: 508
weibliche Inhaftierte: 91
Jugendarrestanstalt (18m/5w): 23

Die Unterbringung erfolgt in Einzelhafträumen (insgesamt 400) sowie in Gemeinschaftshafträumen mit zwei bis vier Betten.

b) tatsächliche Belegung (jeweils ohne Jugendarrest):
Belegungsdurchschnitt 2009: 609,3 Gefangene
Belegungsdurchschnitt 2008: 623,3 Gefangene
Belegungsdurchschnitt 2007: 667,7 Gefangene
Belegungsdurchschnitt 2006: 660,5 Gefangene
Belegungsdurchschnitt 2005: 622,1 Gefangene

4. Vollzugsgestaltung

a) Allgemeine Vollzugsgestaltung und Behandlungsformen

  • Krankenabteilung mit 15 Haftplätzen
  • Vollzugspsychiatrie mit 46 Haftplätzen
  • Sozialtherapeutische Abteilung für Sexualstraftäter 24 Haftplätze
  • therapeutische ausgerichtete Gruppe für jugendliche U-Gefangene
  • ständige Gesprächsgruppen
  • themenzentrierte Gesprächsgruppen nach Bedarf (z.B. anonyme Alkoholiker)
  • Freizeitgruppen (z. B. Kreativgruppe, Schachgruppe, Chor)
  • Drogenberatung durch Mitarbeit der Stadt Würzburg
  • Deutschkurse für Ausländer und Analphabeten
  • Unterricht für junge Untersuchungsgefangene
  • Arbeitstherapie für Erwachsene und jugendliche Untersuchungsgefangene
  • Ausbildung in verschiedenen Berufen (z. B. Koch, Gebäudereiniger, Metallbau u. a.)

b) Arbeitsmöglichkeiten und schulische Bildung

In vier Unternehmerbetrieben und neun Eigenbetrieben können mehr als 300 Gefangene durchgehend beschäftigt werden. Die Bandbreite der Beschäftigung reicht von leichten Montage- oder Etikettierarbeiten bis zur anspruchsvollen handwerlichen Tätigkeit. Im Wege des Freigangs haben ca. 30 Gefangene die Gelegenheit, außerhalb der Anstalt einer Tätigkeit oder im Einzelfall einer Ausbildung nachzugehen. 2009 haben zudem acht Gefangene in drei verschiedenen Berufen ihren Gesellenbrief erhalten, zwei Gefangene absolvierten erfolgreich ihre Meisterprüfung. Im Rahmen schulischer Bildungsmaßnahmen erhielten zwei Schüler den qualifizierten Hauptschulabschluss, zwei weitere Schüler erwarben den Hauptschulabschluss.

5. Personalverhältnisse

In der Justizvollzugsanstalt Würzburg arbeiten über 250 Bedienstete. Dies sind im Einzelnen:

153 Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes
17 Handwerksmeister im Werkdienst
34 Bedienstete im Krankenpflegedienst
15 Verwaltungsbedienstete
30 Fachdienste (Ärzte, Sozialpädagogen, Psychologen, Pfarrer, Pädagogen und Juristen)


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