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Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau

Kurzbeschreibung

Geschichte und Entwicklung

Die Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau liegt 3 km nördlich der Stadt Laufen in einer großen Waldlichtung an der Salzach, dem Grenzfluss zu Österreich.

Ihre Ursprünge gehen zurück auf die Königlich Bayerische Strafanstalt für Männer, die 1862 in der ehemaligen Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Salzburg in Laufen eingerichtet wurde. Ab 1906 wurde von dort aus im heutigen Anstaltsbereich eine Forstbaumschule betrieben. Als Jugendstrafanstalt besteht die Einrichtung seit 1946.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Anstalt mehrfach umgebaut, erweitert und modernisiert.

Heute präsentiert sich die Einrichtung als eine moderne Jugendvollzugsanstalt, in der mit großem pädagogischem Engagement junge Gefangene auf ein besseres Leben in sozialer Verantwortung vorbereitet werden.

Die Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau ist als sogenannte halb-offene Anstalt konzipiert, d.h. die Sicherheitsvorkehrungen sind - soweit möglich - herabgesetzt, von einer Außenumwehrung wurde abgesehen.

Besondere Betreuungsschwerpunkte

Wohngruppenvollzug
Der Wohngruppenbereich bietet in vier Gruppen Platz für 46 Gefangene. Ein erfahrenes Team aus Bediensteten des allgemeinen Vollzugsdienstes und Mitarbeitern des psychologischen und des sozialpädagogischen Dienstes gewährleistet eine intensive Betreuung.

Station für die jüngsten Gefangenen
Die jüngsten Gefangenen sind in der Regel auf einer besonderen Station untergebracht. Sie erhalten die besondere Betreuung durch ein stabilisiertes Betreuungsteam, das aus Bediensteten des allgemeinen Vollzugsdienstes und Mitarbeitern des psychologischen und des sozialpädagogischen Dienstes besteht.

Sport
Sport ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil der gesamten Erziehungsarbeit. Die Gefangenen haben die Möglichkeit, mehrmals wöchentlich im Rahmen des Betriebs-, Freizeit- und Neigungssports Sport zu betreiben.
In der Sportabteilung werden Bedienstete eingesetzt, die ausgebildete Übungsleiter sind.

Als Sporteinrichtungen stehen zur Verfügung:

- Turnhalle
- Rasensportplatz
- Hartspielplatz

- Leichtathletikanlagen
- Krafträume
- Volleyball-Außenanlage

Arbeit mit drogengefährdeten Gefangenen

In der Anstalt ist ein Mitarbeiter des Caritas-Zentrums Berchtesgadener Land als Suchtberater tätig. Er arbeitet mit drogen- und alkoholgefährdeten Gefangenen in Einzelgesprächen und Gruppensitzungen. Ihm obliegt es auch, in Zusammenarbeit mit den Fachdiensten der Anstalt, Gefangene in externe therapeutische Einrichtungen zu vermitteln. Als zusätzliche Maßnahme der Suchtberatung wird ein Outdoor-Training angeboten.

Eine Mitarbeiterin der Suchtberatungsstelle leitet einmal wöchentlich eine kunsttherapeutisch orientierte Gruppe. Die Aufgabe des Drogenbeauftragten der Anstalt ist es, die Arbeit mit einschlägig gefährdeten Gefangenen und die Maßnahmen zur Sicherung der Anstalt gegen das Einbringen von Drogen zu koordinieren sowie das Personal der Anstalt bezüglich der Drogenproblematik zu beraten.

Arbeit mit Sexual- und Gewalttätern

Gefangene, die wegen Sexual- und besonders gravierenden Gewaltdelikten inhaftiert sind, können neben der internen psychologischen Behandlung auch von externen Therapeuten betreut werden. Hierfür stehen 3 Psychotherapeuten und 2 Kunst- und Gestaltungstherapeuten für Einzel- und Gruppentherapien zur Verfügung.
Darüber hinaus finden regelmäßig Antiaggressions-, Antigewalt- und Konfliktlösungs-Trainings statt, angeboten von Vollzugsbediensteten und einem externen Verein.

Zuständigkeit

Die Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau ist zuständig für den Vollzug von Untersuchungshaft und Jugendstrafe an männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden.

Untersuchungshaft wird vollzogen an Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren aus ganz Bayern.

Jugendstrafe wird vollzogen an Jugendlichen im Alter von 14-16 Jahren aus ganz Bayern, unabhängig von Strafdauer und Delikt, sowie an Jugendlichen und Heranwachsenden im Alter von 17 und 18 Jahren aus ganz Bayern bzw. an Heranwachsenden von 19 bis 21 Jahren aus bestimmten Landgerichtsbezirken, wenn an ihnen erstmals Jugendstrafe vollzogen wird, sie nicht wegen Sexual- und Raubdelikten verurteilt wurden und die Vollzugsdauer drei Jahre nicht übersteigt.

Belegung

Die Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau kann regulär 174 Gefangene aufnehmen, die alle einzeln untergebracht werden können. Daneben gibt es noch Haftplätze für den vorübergehenden Aufenthalt in der Zugangs-, in der Kranken- und in der Arrestabteilung und Gemeinschaftshaftplätze für besondere Situationen.

Das Durchschnittsalter der Gefangenen liegt bei ca. 18 Jahren.

Im Durchschnitt halten sich die Jugendstrafgefangenen ein dreiviertel Jahr in der Anstalt auf.

Personal

Betreut werden die Gefangenen von ca. 130 hauptamtlichen Mitarbeitern der Dienstbereiche
- Anstaltsleitung und Verwaltung,
- Fachdienste
(Psychologen, Lehrer, Sozialpädagogen),
- allgemeiner Vollzugsdienst,
- mittlerer Werkdienst
(Handwerksmeister),
und
- Krankenpflegedienst.

Die Qualifikation des Personals wird durch eine solide Ausbildung (incl. Jugendzusatzausbildung) und laufende Fortbildungsmaßnahmen gewährleistet. Daneben sind in der Anstalt noch ca. 35 externe bzw. nebenamtliche Mitarbeiter (Ärzte, Geistliche, Drogen- und Suchtberater, Psychotherapeuten, Lehrkräfte, ehrenamtliche Mitarbeiter usw.) tätig.

Ausbildung

Angesichts der schulischen und beruflichen Defizite der jungen Gefangenen sind gerade die Aus- und Fortbildungsmaßnahmen ein wesentlicher Schwerpunkt der erzieherischen Bemühungen.
Daneben sollen die Gefangenen an ein auf regelmäßiger Arbeit aufgebautes Leben gewöhnt werden.

Schulische Ausbildungsmaßnahmen

Hauptschulabschlüsse
In der Regel finden jährlich zwei Kurse zum Erwerb des erfolgreichen Hauptschulabschlusses und ein Vorbereitungskurs zum Erwerb des qualifizierenden Hauptschulabschlusses statt. Nach erfolgreicher Prüfung erhalten die Teilnehmer ein neutrales Zeugnis der Hauptschule Laufen.

Pflichtschulunterricht
Alle vollzeitschulpflichtigen Gefangenen werden in einer Pflichtschulgruppe unterrichtet. Nicht mehr schulpflichtige Gefangene können in diesem Rahmen einen Förderkurs absolvieren.

Aktivierungskurs für weitere Ausbildungsmaßnahmen
Viele Gefangene haben aufgrund ihrer schlechten Bildungslaufbahn sehr große Lücken bei schulischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Um diese Lücken zu schließen bekommen sie intensive Förderung berufskundlicher Art und vor allem in den Fächern Mathematik und Deutsch.

Berufsorientierungslehrgang
In einem Berufsorientierungslehrgang lernen die Teilnehmer in diversen Betriebspraktika und Eignungstests ihre persönlichen Neigungen und Fähigkeiten kennen, erhalten ein Bewerbungstraining und bekommen Unterstützung bei der Lehrstellensuche. Zusätzlich können sie den erfolgreichen Hauptschulabschluss erwerben.

Grundlehrgänge
Da die durchschnittliche Aufenthaltsdauer relativ kurz ist, kommt den Grundlehrgängen, die den Gefangenen grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten in einzelnen Berufen vermitteln und in denen sie bereits nach wenigen Monaten einen anerkannten Abschluss erreichen können, besondere Bedeutung zu.
Folgende Grundlehrgänge werden in der Anstalt angeboten:

- Agrarwirtschaft
- Bautechnik
- Farbtechnik
- Gebäudereinigung
- Holztechnik

- Landschaftspflege
- Metallberufe
- Konstruktionsmechanik
- Verschiedene Schweißlehrgänge.

In diesen Lehrgängen stehen insgesamt ca. 50 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Zusätzlich werden mehrmals im Jahr Gabelstaplerfahrer-Lehrgänge angeboten.

Arbeitswesen

Gefangene, die an keiner schulischen oder beruflichen Ausbildungsmaßnahme teilnehmen können, werden in den Eigen-, Unternehmer- und Versorgungsbetrieben der Anstalt beschäftigt.

Folgende Betriebe mit ca. 110 Arbeitsplätzen gibt es in der Anstalt:

Eigenbetriebe
- Bauabteilung
- Elektroinstallation
- Gas- und Wasserinstallation
- Kfz-Betrieb

Unternehmerbetriebe
- 3 Unternehmerbetriebe (Montage- und Verpackungsarbeiten)
- Landwirtschaft
- Malerei
- Schlosserei I und II
- Schreinerei

Versorgungsbetriebe

- Küche
- Wäscherei
- Kammer
- Gebäudereinigung

Werkpädagogische Abteilung

Gefangene mit erheblichen Defiziten im schulischen und beruflichen Leistungsbereich sowie in der Persönlichkeit und im Sozialverhalten können tagsüber in der Werkpädagogischen Abteilung betreut werden.

Vollzugsalltag, Freizeit

In den einzelnen Betreuungseinheiten kommt der individuellen Persönlichkeitsförderung der jungen Inhaftierten und der Entlassungsvorbereitung besondere Beachtung zu. Ein therapeutisches Milieu soll die Basis für den Erwerb höherer sozialer Kompetenz liefern.

Tagesablauf

06:00 Uhr    Wecken
06:00 - 07:00 Uhr    Frühstück auf den Hafträumen; Zellenreinigung
07:00 - 15.45 Uhr    Arbeit bzw. Unterricht; 30 Minuten Mittagspause
ab 11:00 Uhr    Mittagessen
16:00 - 17:00 Uhr    Aufenthalt im Freien (Hofgang)
17:00 - 18:00 Uhr    Duschen, Abendessen auf den Hafträumen, Postausgabe
18:00 - 21:00 Uhr    Freizeit (1 1/2 - 3 Stunden in Gemeinschaft)
ab 22:00 Uhr    Nachtruhe

Tagsüber ist das Leben der Gefangenen von Arbeit und Ausbildung bestimmt. Abends sowie an den arbeitsfreien Sonn- und Feiertagen können sich die Gefangenen in ihrer Freizeit je nach Neigung und Eignung ganz unterschiedlich betätigen und die Erfahrung machen, dass freie Zeit sinnvoll gestaltet und verbracht werden kann.

In Frage kommen u.a. folgende Freizeitaktivitäten:

- EDV-Kurse
- Musizieren
- Benutzung der Anstaltsbücherei
(2500 auch fremdsprachige Romane und Sachbücher)
- Bastelkurse
- Schnitzkurs
- Fernsehen und Radio
- Freizeiträume auf allen Stationen
(Brettspiele, Kicker, Billard, Tischtennis u.a.)
- Gitarrenunterricht
- Betriebs-, Freizeit- und Neigungssport
- ein- und mehrtägige Bergwanderungen
(Wohngruppe)
- Laufprojekt
- Radtouren, Skilanglauf und Spaziergänge
(Wohngruppe)
- therapeutisches Malen
- besondere Freizeitveranstaltungen
(Konzerte verschiedener Musikgruppen, Theateraufführungen etc.)
- Kunstprojekte
- Literatur-Werkstatt.

Außenkontakte

Schriftverkehr, Besuch
Die Gefangenen können grundsätzlich unbeschränkt Schreiben absenden und empfangen.
In der Regel können sie zweimal im Monat je 120 Minuten lang besucht werden.

Besuche finden nur nach telefonischer oder persönlicher Voranmeldung statt. Eine telefonische Anmeldung kann täglich zwischen 18:00 und 20:00 Uhr unter der Telefonnummer: 08682-8970 erfolgen, letztmals am Vorabend des geplanten Besuchs.

Ausgang, Urlaub
Geeigneten Gefangenen kann auch Ausgang und Urlaub gewährt werden.


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