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Kurzbeschreibung

1. Historische Entwicklung der Anstalt

Nachdem die alte Anstalt (erbaut 1906/07) in der Inneren Münchenerstraße 2 und 4 den Erfordernissen eines modernen, der Resozialisierung verpflichteten Straf-vollzuges nicht mehr gerecht wurde, konnte ab dem Jahr 1999 mit der Planung für eine neue Anstalt in Berggrub begonnen werden. Nach der Grundsteinlegung am 22. April 2002, dem Richtfest am 22. April 2005 wurde die neue Anstalt und die Jugendarrestanstalt am 21. April 2008 eingeweiht. Nach zwei Tagen der „Offenen Türe“ mit über 23.000 Besuchern erfolgte der Bezug der Justizvollzugsanstalt im Mai 2008, der Jugendarrestanstalt am 11. August 2008.

Die neue Anstalt sollte ursprünglich eine Belegungsfähigkeit von insgesamt 411 Haftplätzen haben. Im Jahr 2002 wurde die Planung um die Jugendarrestanstalt mit 36 Arrestplätzen erweitert, was jedoch eine Verringerung der Haftplätze des offenen Vollzuges auf 64 nach sich zog. 2006 wurde die Planung mit einer weiteren Erhöhung der Haftplatzkapazität um 136 Plätze in einem eigenen Untersuchungshafthaus abgeschlossen. Dieser Erweiterungsbau konnte im April 2010 bezogen werden.

Die neue Justizvollzugsanstalt Landshut-Berggrub verfügt somit über 515 Haftplätze, davon 64 im offenen Vollzug.

Bei der Planung wurde besonderes Augenmerk auf eine sichere, zweckmäßige Unterbringung der Gefangenen und Jugendarrestanten, moderne Arbeits¬verhältnisse für die Bediensteten und zureichende, resozialisierungsfördernde Arbeitsbedingungen für Gefangene gelegt. So können alleine auf 2000 qm reiner Produktionsfläche externe Unternehmen von der Arbeit im Justizvollzug als „verlängerter Werkbank“ profitieren. Bedarfsorientierte Eigenbetriebe runden das Angebot an Arbeit ab.

Seit 1980 werden die selbstständigen Justizvollzugsanstalten Mühldorf am Inn und Erding von Landshut aus mitverwaltet.

2. Zuständigkeiten

Die Justizvollzugsanstalt ist seit dem 1. Juli 2008 für männliche Untersuchungsgefangene aus den Amtsgerichtsbezirken Landshut und Landau an der Isar und für erwachsene männliche Verurteilte aus den nachfolgenden Land- und Amtsgerichtsbezirken wie folgt zuständig:

Landgerichtsbezirk Landshut:

Amtsgerichtsbezirk Landshut Erstvollzug bis zu sechs Jahren Freiheitsstrafe und Regelvollzug bis zu einem Jahr bzw. zwischen drei und vier Jahren Freiheitsstrafe.
Amtsgerichtsbezirk Landau/Isar
 
Amtsgerichtsbezirk Eggenfelden Erstvollzug zwischen zwei und sechs Jahren Freiheitsstrafe und Regelvollzug bis zu einem Jahr bzw. zwischen drei und vier Jahren Freiheitsstrafe.
 
Amtsgerichtsbezirk Erding Erstvollzug zwischen zwei und sechs Jahren Freiheitsstrafe und Regelvollzug zwischen drei und vier Jahren Freiheitsstrafe.
Amtsgerichtsbezirk Freising

Landgerichtsbezirk Deggendorf:

Amtsgerichtsbezirk Deggendorf Erstvollzug über drei Monate bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe und Regelvollzug bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
Amtsgerichtsbezirk Viechtach

Landgerichtsbezirk Passau:

Amtsgerichtsbezirk Passau Erstvollzug über einem Jahr bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe und Regelvollzug über drei Monate bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
Amtsgerichtsbezirk Freyung Erstvollzug über einem Jahr bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe und Regelvollzug bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

Die Jugendarrestanstalt vollzieht den Arrest an Jungen aus den Landgerichtsbezirken Deggendorf, Ingolstadt, Landshut, Passau, Traunstein und Regensburg.

3. Äußere Haftbedingungen

a) Belegungsfähigkeit:

Die Belegungsfähigkeit ist auf 515 Gefangene und 36 Arrestanten festgesetzt; davon können 440 Gefangene in Einzelhafträumen und 75 in 25 Gemeinschaftshafträumen untergebracht werden.
64 Haftplätze der Gesamtbelegungszahl befinden sich im Freigängerhaus den offenen Vollzuges.
Ferner verfügt die Anstalt über vier besonders gesicherte Hafträume ohne gefährdende Gegenstände, die videoüberwacht sind, vier Arresträume, sieben Hafträume in der Zu- und Abgangsabteilung sowie zwanzig Plätze in der Krankenstation.

b) Tatsächliche Belegung:

Am 31. Dezember 2010 war die Anstalt mit 471 Gefangenen belegt.

Die Durchschnittsbelegung 2010 betrug 438,84 Gefangene und 21,11 Jugendarrestanten.

Die höchste Tagesbelegung in der Justizvollzugsanstalt war am 2. August 2010 mit 503, die niedrigste am 7. März 2010 mit 329 Gefangenen zu verzeichnen.

In der Jugendarrestanstalt waren es vom 12. bis zum 14. August 2010 mit 39 die meisten.

4. Vollzugsgestaltung:

a) Allgemeine Vollzugsgestaltung und besondere Behandlungsformen:

Die Justizvollzugsanstalt Landshut ist eine Anstalt des geschlossenen Vollzugs mit einer Abteilung des offenen Vollzugs.

Wohngruppenvollzug wird im offenen Vollzug praktiziert. Den hier untergebrachten Gefangenen ist weitgehender Gestaltungsspielraum eingeräumt, die Haftraumtüren bleiben unverschlossen. Im geschlossenen Vollzug soll er für bestimmte thematische Abteilungen eingeführt werden.

Für Einzelberatung und -betreuung sowie methodische Gruppenarbeit sind sieben Dipl. Sozialpädagogen/-innen (FH), ein Psychologe und ein Lehrer zuständig.

Ferner bieten ständig etwa 45 ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen insbesondere aus verschiedenen Bereichen der Sozialarbeit (Anti-Aggressionstraining, Alkohol- und Drogenberatung, Eheberatung, Krisenintervention, psychische Probleme, Entlassungsvorbereitung, Arbeitsberatung, Familienmaßnahmen, Betreuung von ausländischen Gefangenen, etc.) ihre Hilfe an.

Anstaltsbeiräte sowie Gefangenensprecher wirken an der Vollzugsgestaltung mit.

An sportlichen Betätigungen werden den Gefangenen viele Ballsportaten sowie Ausdauer- und Kraftsport angeboten.

Eine Vielzahl von Gefangenen beschäftigt sich in ihrer Freizeit mit Bastelarbeiten auf den Hafträumen oder im eigens hierfür eingerichteten Werkraum; die Gefangenen verfügen in der Regel über eigene Radio- und Fernsehgeräte.

Auch werden für Inhaftierte Sprach-, Bastel- und Spielegruppen abgehalten.

Tischtennisturniere und bisweilen Theater- und Musikdarbietungen (etwa die anstaltseigene Rockband "Bonnie and the Clydes) runden das Freizeitprogramm ab.

b) Arbeitsmöglichkeiten:

In der Regel fünf Unternehmerbetriebe beschäftigten arbeitstäglich durchschnittlich 35,68 Gefangene innerhalb der Anstalt u.a. mit der Produktion von Verlängerungskabeln, der Verarbeitung von Werbematerial und der Bearbeitung von Computergehäusen.
In den Eigenbetrieben der Anstalt arbeiten durchschnittlich 18,28 Gefangene.
Außerdem werden Strafgefangene im Wege des Freigangs beschäftigt. Durchschnittlich waren 2010 täglich 49,83 Gefangene als Freigänger eingesetzt.
Durchschnittlich arbeiteten, beispielsweise auch in der Küche oder der Wäscherei der Anstalt bzw. als Hausarbeiter, die insbesondere für die Reinlichkeit in der Anstalt verantwortlich sind, täglich insgesamt 184,10 Gefangene, was einer Beschäftigungsquote von 42% entspricht.

c) Berufsausbildung:

Im Jahr 2010 konnte in der neuen Anstalt erstmals eine eigene Berufsausbildung abgeschlossen werden. Ein Gefangener erlernte mit gutem Erfolg den Beruf des Kochs.
In geeigneten Fällen kann eine Berufsausbildung auch außerhalb der Anstalt im Wege des Freigangs absolviert werden.

d) Schulische Bildungsmaßnahmen:

Strafgefangene können grundsätzlich alle von der Volkshochschule Landshut angebotenen Kurse belegen, bei Eignung zu Vollzugslockerungen auch externe Schulen jeder Art besuchen. Der Anstaltslehrer verhalf im Jahr 2010 erstmals zwei Gefangenen zum Erwerb des Qualifizierten Hauptschulabschlusses.

5. Personalverhältnisse

  1. Anstaltsleitung:
    2 Bedienstete
  2. Verwaltungsdienst:
    23 Bedienstete
  3. Sonderdienst:
    11 Bedienstete
  4. Allgemeiner Vollzugsdienst:
    156 Bedienstete
  5. Allgemeiner Vollzugsdienst (Jugendarrestanstalt):
    8 Bedienstete
  6. Mittlerer Werkdienst:
    13 Bedienstete
  7. Krankenpflegedienst:
    6 Bedienstete


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