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Kurzbeschreibung
Historische Entwicklung der Anstalt
Kaisheim, das sowohl der heutigen Marktgemeinde als auch der Justizvollzugsanstalt den Namen gegeben hat,
wurde 1134 von Graf Heinrich von Lechsgmünd als Kloster der Zisterzienser gegründet. Zwölf Zisterziensermönche mit ihrem Abt Ulrich,
die aus dem Mutterkloster Lützel im Elsaß gekommen waren, rodeten im Kaibachtal Wald und Flur. Der Zisterzienserorden war um 1100 als
reformierter Zweig des benediktinischen Mönchstums entstanden und blühte dank St. Bernhard von Clairvaux (1091 - 1153) rasch auf.
Die heutige Pfarr- und ehemalige Kloster- und Anstaltskirche, erbaut zwischen 1352 und 1387 als spätgotische Basilika,
gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke des 14. Jahrhunderts in Bayerisch-Schwaben. Nach dem 30-jährigen Krieg
wurde die zuvor spätgotische Innenausstattung (Gregor Erhart, Holbein der Ältere) durch barocke Werke ersetzt.
Der ganze Plan und ein großer Teil der Arbeiten stammen von Andreas Thamasch, dem "Stiftsbildhauer von Stams und Meister von Kaisheim" selbst;
andere Stücke liefern den Beweis für die Leistung und das künstlerische Niveau der Klosterwerkstätten.
Zwischen 1716 und 1720 wurden die aus verschiedenen Jahrhunderten übernommenen Klostergebäude und der Kreuzgang bis auf einen kleinen Teil
abgebrochen, um an ihrer Stelle eine barocke Anlage zu errichten, welche der Vorarlberger Architekt Franz Beer um zwei Innenhöfe und einen
Außenhof gruppierte. Mit der Ausgestaltung, vor allem des Kaisersaales, wurde die Werkstatt Jakob Appiani beauftragt. Diese Konventgebäude
stehen im wesentlichen noch heute und bilden den Kern der ab 1816 hier eingerichteten Anstalt, nachdem das Kloster 1803 der Säkularisation zum Opfer gefallen war.
In den wechselnden Bezeichnungen der Anstalt bis heute spiegelt sich deren Geschichte wider, zum Teil sogar der Wandel in der Auffassung von Kriminalpolitik und Strafvollzug.
Zunächst war die Anstalt von 1816 bis 1851 Zwangsarbeitsanstalt für Männer und Frauen, damals gleichbedeutend mit Verwahranstalt bzw.
Arbeitshaus für "asoziale Individuen", die auch Detenten oder Correctionäre genannt wurden.
Von 1851 bis 1862 gab es in der Strafanstalt für Männer aufgrund gerichtlicher Verurteilung drei Abteilungen, die der Kettensträflinge, Arbeitshaussträflinge und Zuchthausgefangenen. Von 1863 bis 1945 wurde die Anstalt als Zuchthaus mit "erhöhter Sicherung", von 1945 bis 1969 wieder als Strafanstalt geführt.
Seit dem 1. Januar 1970 trägt die Anstalt ihre heutige Bezeichnung als Justizvollzugsanstalt.
Lage und Baulichkeiten
Die Anstaltsgebäude einschließlich der Arbeitsbetriebe und Sportanlagen stehen auf einem 5 ha großen, mit einer Mauer
umschlossenen Gelände. Außerhalb liegen der ca. 49 ha große Landwirtschaftsbetrieb, die 4,6 ha große anstaltseigene Gärtnerei
und die Kfz-Werkstätte. Im Ort Kaisheim befindet sich eine größere Anzahl von Dienstwohnungen für die Bediensteten der Anstalt.
Im ehemaligen Abteigebäude befinden sich neben der Verwaltung, der Krankenabteilung und einigen Arbeitsbetrieben überwiegend
die Gemeinschaftshafträume der Gefangenen mit bis zu 8 Haftplätzen.
Die größere Zahl der Gefangenen ist in Einzelhafträumen im sog. Zellenneubau untergebracht, der bis 1967 als dreiflügeliges
Gebäude errichtet und bis zum Jahr 2000 um 2 weitere Flügel ergänzt wurde.
Auf dem Gelände des früheren Klostergartens entstanden ein Sportplatz und in zwei Bauabschnitten bis 1991 ein großes
Arbeitsbetriebsgebäude.
Moderne Sicherheitstechnik trägt zur Verhinderung von Entweichungen bei.
Zuständigkeit und besondere Aufgaben der Anstalt
Die Justizvollzugsanstalt Kaisheim ist für den Regelvollzug an erwachsenen männlichen Strafgefangenen zuständig.
Vollstreckt werden in der Regel Freiheitsstrafen bis zu sechs Jahren für die Landgerichtsbezirke Ingolstadt, Landshut,
München I, München II, Ansbach, Aschaffenburg, Traunstein, Nürnberg und Würzburg und Freiheitsstrafen ohne zeitliche
Begrenzung für die Landgerichtsbezirke Augsburg, Kempten/Allgäu und Memmingen. Zusätzlich werden zur Entlastung der
Justizvollzugsanstalt Neuburg an der Donau Untersuchungsgefangene aus dem Landgerichtsbezirk Ingolstadt aufgenommen.
Belegungsfähigkeit
Die Belegungsfähigkeit liegt bei 616 Gefangenen, für die 419 Einzel- und 197 Gemeinschaftshaftplätze zur Verfügung stehen.
Darin enthalten sind 7 Haftplätze des offenen Vollzugs für im Landwirtschaftsbetrieb beschäftigte Gefangene und 28 Haftplätze
für Untersuchungsgefangene. Hinzu kommen 16 Krankenplätze, davon 2 behindertengerechte Hafträume, 12 Zu- und Abgangsplätze,
9 Arresträume und 4 Sicherheitszellen.
Vollzugsgestaltung
Allgemeine Vollzugsgestaltung und besondere Behandlungsformen
Gruppenbetreuung
Neben verschiedenen Freizeitgruppen (Sport-, Fremdsprachen-, Musikgruppe u. a.), die allen Gefangenen offen stehen, können
alkohol- und drogengefährdete Gefangene an problemorientierter Gruppenarbeit teilnehmen, die zur Zeit auch von ehrenamtlichen
Mitarbeitern angeboten wird. Sowohl im Zellenneubau als auch im Abteigebäude befasst sich jeweils eine Gruppe der Anonymen
Alkoholiker mit Alkoholproblemen von Gefangenen und
jeweils eine Gruppe mit den spezifischen Problemen drogenabhängiger Gefangener. Die externe Drogenberatung bietet zusätzlich
für Inhaftierte, die vor dem Beginn einer
stationären Therapie stehen, einen auf vier Veranstaltungen begrenzten Intensivkurs zur Vorbereitung auf diese Therapie an.
Auch die externe Alkoholberatung führt Motivations- und Gesprächsgruppen für Suchtgefährdete und -abhängige durch.
Darüber hinaus werden von haupt- und ehrenamtlichen Kräften Gruppenangebote über einen bestimmten Zeitraum und mit einer
bestimmten Thematik wie z. B. ein Anti-Aggressions-Training gemacht. Insbesondere finden regelmäßig religiös orientierte
Gruppenveranstaltungen statt.
Wohngruppenvollzug
In einer Behandlungswohngruppe mit 13 Haftplätzen werden unter der Anleitung einer Anstaltspsychologin sowie besonders
ausgebildeter Betreuungsbeamter Einzelgespräche und Gruppensitzungen durchgeführt. Das Ziel besteht in erster Linie darin,
dem einzelnen Gefangenen dazu zu verhelfen, persönliche Problemfelder zu erkennen und sozialadäquat zu reagieren. Dabei wird
jeweils ein "individueller Vollzugsplan" erstellt, der konkrete Teilschritte hinsichtlich der Resozialisierung beinhaltet.
Maßnahmen zur Entlassungs- bzw. Therapievorbereitung spielen hierbei eine wichtige Rolle.
Im D- und E-Flügel des Zellenneubaus befindet sich je eine Ausbildungswohngruppe für 20 bzw. 18 Gefangene. Im D-Flügel
befinden sich v. a. Teilnehmer an kurzen Ausbildungsmaßnahmen (Schweißerlehrgänge, EDV-Lehrgänge, Kurs zum nachträglichen
Erwerb des qualifizierenden Hauptschulabschlusses) und an einem Fernstudium. Im E-Flügel sind Lehrlinge und Teilnehmer am
Kurs zur Erlangung des italienischen Hauptschulabschlusses untergebracht. Beide Wohngruppen werden jeweils von einem
Anstaltslehrer und von den Schulbeamten betreut.
Ehe- und Familienseminare
Dem Auftrag, dem Zerbrechen von Ehe und Familie entgegenzuwirken, widmen sich die Anstaltsseelsorger in besonderem Maße.
Das Angebot umfasst interne Eheseminare, die etwa monatlich samstags stattfinden und von Fachkräften begleitet werden.
Teilgenommen haben im Jahr insgesamt ca. 40 Gefangene mit ihren Partnerinnen.
Soweit Vollzugslockerungen möglich sind, werden auch Seminare außerhalb der Anstalt für Gefangene und deren Familien
durchgeführt.
Einzelbetreuung
Gefangene ohne soziale Bindung können vor allem zur Entlassungsvorbereitung vom SKM Donauwörth (Katholischer Verband
für soziale Dienste Donau-Ries e.V.) betreut oder bei Ausgängen begleitet werden.
Bei Bedarf werden Gefangene in eine ehrenamtliche Betreuung vermittelt. Derzeit sind 88 Personen aus verschiedenen
Berufen zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit zugelassen. 76 von ihnen sind aktiv tätig. Durchschnittlich 31 Betreuer widmen
sich überwiegend der Einzelbetreuung und 16 Betreuer sind meist in der Gruppenbetreuung tätig. 29 Ehrenamtliche sind als
kirchliche Mitarbeiter aktiv. 10 Personen besuchen als Vertreter von Wohlfahrtsverbänden oder anderen sozialen Einrichtungen
die Anstalt, wie z. B. Vertreter der AIDS-Hilfe Augsburg, des Caritasverbandes Augsburg oder der Ehe- und Familienberatung
Donauwörth.
Die Einzelberatung und Vermittlung in Langzeittherapien für Alkohol- und Drogenabhängige übernehmen Mitarbeiter des
Sozialdienstes sowie vorrangig externe Mitarbeiter der Drogenhilfe Schwaben und der Psychosozialen Beratungsstelle Augsburg.
Sozialtherapeutische Abteilung
Dem gesetzlichen Auftrag, Sexualstraftäter zur Verminderung der Rückfallgefahr
besonders intensiv zu betreuen, wurde mit der Einrichtung
einer Sozialtherapeutischen Abteilung zur Behandlung von Sexualstraftätern
Rechnung getragen, die im Juni 2003 ihre Arbeit aufgenommen
hat und in der 16 Inhaftierte untergebracht werden können. Unter der
Anleitung von 1 Psychiater, 1 Psychologen, 2 Sozialpädagogen und
einem festen Team von qualifizierten Mitarbeitern des allgemeinen
Vollzugsdienstes
wird hier versucht, durch Einzel- und Gruppentherapie,
soziales Kompetenztraining, Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung die
Defizite dieser speziellen Tätergruppe zu bearbeiten.
Arbeitsmöglichkeiten
In der Anstalt gibt es 18 Eigenbetriebe, zwei Unternehmerbetriebe, zwei zentrale Ausbildungsstätten sowie einen
arbeitstherapeutischen Betrieb, in denen im Jahresdurchschnitt ca. 260 Gefangene tätig sind. Davon werden für
eine Beschäftigung außerhalb der Anstalt (in der Landwirtschaft und Anstaltsgärtnerei, im Kfz-Betrieb und Fuhrpark)
im Durchschnitt ca. 25 Gefangene herangezogen. Insgesamt sind ca. 50 Gefangene zur Außenarbeit zugelassen.
Die wichtigsten Eigenbetriebe sind:
- Schneiderei
- Schuhmacherei
- Schreinerei
- Schlosserei I und II
- Druckerei
- Buchbinderei
- Kunst- und Malbetrieb
- Elektrobetrieb
- Malerei
- Bäckerei
- Wäscherei
- Baubetrieb
- Kraftfahrzeugwerkstätte
- Landwirtschaft
- Gärtnerei
- Polsterei
- Mechanische Weberei mit Handweberei
In zwei Unternehmerbetrieben sind durchschnittlich ca. 40 Gefangene tätig.
Mit Arbeiten für die eigene Anstalt (Küche, Bücherei, Heizung, Kammer, sonstige Hausarbeiten) werden durchschnittlich
ca. 50 Gefangene beschäftigt.
Insgesamt stehen ca. 400 Arbeits- und Ausbildungsplätze zur Verfügung.
Berufsausbildung
Die Justizvollzugsanstalt Kaisheim verfügt über circa 60 Ausbildungsplätze.
Eine Umschulung ist derzeit in 14 Ausbildungsberufen möglich, z. B. zum Drucker, Kfz-Mechaniker,
Koch, Maler und Lackierer, Metallbauer, Schreiner oder Textilmaschinenführer bzw. -mechaniker.
Zu den Abschlussprüfungen kommen die Prüfungskommissionen der jeweiligen
Kammern in die Anstalt.
In der zentralen Elektrolehrwerkstätte, die Gefangenen aus allen bayerischen Justizvollzugsanstalten offen steht, erfolgt die
Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik.
Bei der Lehrschweißerei handelt es sich ebenfalls um eine zentrale Ausbildungsstätte, die vom deutschen Verband für Schweißtechnik
anerkannt ist. Hier werden Grundlehrgänge Metall und Schweißlehrgänge (Elektro- und Schutzgasschweißen) für geeignete
Bewerber aus allen bayerischen Justizvollzugsanstalten durchgeführt. Die Prüfungen werden durch den deutschen Verband für
Schweißtechnik abgenommen.
Seit 1990 besteht ein kleiner werkpädagogischer Betrieb für bis zu 15 Gefangene. Eigens hierfür fortgebildete
Beamte des allgemeinen Vollzugsdienstes führen in Zusammenarbeit mit den Fachdiensten Gefangene, die nicht ohne weiteres in den
Arbeitsprozess integrierbar sind, nach einem speziellen Förderungsprogramm über spielerisch-kreative Tätigkeiten an
leistungsbezogenes Arbeiten heran.
Auch der Computerraum mit acht Schülerarbeitsplätzen wird für berufliche Ausbildungsmaßnahmen genutzt.
Schulische Bildungsmaßnahmen
Die Auszubildenden erhalten im Rahmen ihrer beruflichen Ausbildung Berufsschulunterricht in allen prüfungsrelevanten
Fächern durch die Lehrer der Berufsschule.
Für geeignete Gefangene wird jährlich ein Kurs zum nachträglichen Erwerb des qualifizierenden Hauptschulabschlusses sowie der
Kurs "Telekolleg Multimedial", der zur Fachhochschulreife führt, angeboten.
Sprachkurse, Deutschkurse für ausländische Gefangene und
Unterricht für Analphabeten sowie für schreib-, lese- und rechenschwache
Gefangene ergänzen das Angebot. An spezifischen außerberuflichen
Bildungsmaßnahmen besteht die Möglichkeit der Teilnahme am problemorientierten
theoretischen Verkehrsunterricht sowie an Erste-Hilfe-
Kursen. Auch werden verschiedene EDV-Kurse angeboten.
Freizeit
In ihrer Freizeit haben die Gefangenen ein vielfältiges Angebot. Es reicht von Gesprächsgruppen über Informationen zu
Politik und Zeitgeschehen bis hin zu Schach-, Bastel- oder Musikgruppen.
Die Anstaltsbücherei mit ca. 10.000 Bänden wird rege genutzt und von den Gefangenen eine eigene Gefangenenzeitung
erstellt.
Selbstverständlich nimmt auch der Sport eine wichtige Rolle in der Freizeit der Gefangenen ein. Es wird neben anderen
Sportarten regelmäßig
Tischtennis, Fußball und Volleyball gespielt und den zahlreichen Anhängern des Bodybuildings stehen zwei Fitnessräume
zur Verfügung.
Personal
Betreut werden die Gefangenen von insgesamt 270 Bediensteten,
darunter 4 Juristen, 2 Geistliche, 4 Psychologen, 2 Lehrer, 8 Sozialpädagogen,
3 Ärzte, davon 1 Psychiater und 9 Krankenpfleger.
Zusammen mit den 168 Bediensteten im allgemeinen Vollzugsdienst,
36 Bediensteten (mit Meisterprüfung) im Werkdienst und den 32
Bediensteten in der Verwaltung arbeiten sie daran mit, die im
Strafvollzugsgesetz enthaltenen Zielvorgaben, wonach im Vollzug der
Freiheitsstrafe der Gefangene nicht nur sicher untergebracht, sondern
auch befähigt werden soll, künftig in sozialer Verantwortung ein
Leben ohne Straftaten zu führen, in die Tat umzusetzen.
Historisches Erbe
Bei der vielfältigen Bautätigkeit in der Anstalt wird den Belangen des Denkmalschutzes weitestgehend Rechnung getragen.
Seit 1989 besteht die von der interessierten Öffentlichkeit gut angenommene Ausstellung "Hinter Gittern" in der ehemaligen
Abtswohnung. Sie zeigt Exponate aus der Geschichte des Strafvollzuges in Bayern vom 19. Jahrhundert bis heute.
Auch der renovierte Kaisersaal wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In ihm finden in unregelmäßigen Abständen
Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt.
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