- Historische Entwicklung
Im Oktober 1897 wurde die ehemalige Stadtkaserne – erbaut 1703 von Fürstbischhof Martin von Eyb, vermutlich im Zusammenhang
mit dem spanischen Erbfolgekrieg – für ca. 17.000 Reichsmark von der Stadt Eichstätt an den Staat abgetreten.
1890 waren die hygienischen Verhältnisse in der beinahe 200 Jahre alten Kaserne nicht mehr zeitgemäß. Hervorgerufen durch
die Belegdichte in den Mannschaftsräumen, mangelhafte Belüftungsmöglichkeiten in beinahe allen Zimmern und die Feuchtigkeit in
dem Gebäude befand sich der Komplex in einem sehr desolaten Zustand.
Nach Abbruch der ehemaligen Kaserne im Dezember 1898 wurde der jetzige Baukomplex am 17. Dezember 1900 an den
Gefängnisvorstand, Herrn kgl. I. Staatsanwalt Krieger übergeben. Die Bausumme betrug 339.000 Mark. Am 20. 12. 1900 wurden die
ersten Inhaftierten in dem damaligen Landgerichtsgefängnis untergebracht. In ihrer wechselhaften Geschichte diente es auch als
Festungshaftanstalt. Seit seinem Bestehen bis 1945 wurde gegen Schwerverbrecher im Hof des Gefängnisses mehrmals die
Todesstrafe durch Erschießen oder durch das Fallbeil vollstreckt. Nach Ende des 2. Weltkrieges waren zunächst Internierte
aus der NS-Zeit inhaftiert. Bis in die 60er Jahre waren auch weibliche Inhaftierte untergebracht.
Seit dem Ende des 2. Weltkrieges bis 1976 war das Land- und Amtsgerichtsgefängnis (seit 01.01.1970 Justizvollzugsanstalt)
dem Direktor des Amtsgerichts Eichstätt unterstellt. Ab 01.01.1976 wurde die JVA Eichstätt an die JVA Kaisheim verwaltungsmäßig
angegliedert.
Die seit 42 Jahren in dem Gebäude der JVA untergebrachte Polizeiinspektion zog am 23.03.2000 in ihr neues Dienstgebäude
im Bereich der Bereitschaftspolizei.
Das ehemalige Gerichtsgefängnis musste mehrmals gründlich saniert werden. Die Einrichtung der elektrischen Beleuchtung
erfolgte 1928. Die letzte große Umbaumaßnahme wurde 1988 durchgeführt. Derzeit stehen erneut umfassende Ausbau- und
Sanierungsarbeiten an.
- Zuständigkeit:
In der JVA Eichstätt verbüßen männliche erwachsene Verurteilte aus den Amts- bzw. Landgerichtsbezirken
| Ingolstadt: |
Freiheitsstrafen bis zu 2 Jahren im Erstvollzug
Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten im Regelvollzug |
| Weißenburg: |
Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten im Regelvollzug |
| Hersbruck: |
Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten im Erstvollzug
Freiheitsstrafen bis zu 1 Jahr im Regelvollzug |
| Neumarkt: |
Freiheitsstrafen bis zu 18 Monaten im Erstvollzug |
| Neustadt/Aisch: |
Freiheitsstrafen bis zu 18 Monaten im Erstvollzug
Freiheitsstrafen bis zu 1 Jahr im Regelvollzug |
| Schwabach: |
Freiheitsstrafen bis zu 18 Monaten im Erstvollzug
Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten im Regelvollzug |
Besonders geeignete Gefangene können in den offenen Vollzug der Justizvollzugsanstalt Ingolstadt verlegt werden.
- Äußere Haftbedingungen:
a) Belegungsfähigkeit
Die JVA Eichstätt hat eine Belegungsfähigkeit von 88 männlichen Gefangenen. Für die Unterbringung stehen zur Verfügung:
65 Einzelhafträume
5 Gemeinschaftshafträume mit 4 Haftplätzen
1 Gemeinschaftshaftraum mit 3 Haftplätzen
zusätzlich: 1 besonders gesicherter Haftraum (mit Überwachungskamera)
b) Tatsächliche Belegung
Am 31. Dezember 2002 befanden sich 67 Gefangene in der Anstalt. Die Durchschnittsbelegung im Kalenderjahr 2002 betrug
85,4 Gefangene (2001: 83,0).
c) Größere Neubau- oder Umbaumaßnahmen, sonstige Vorhaben zur Verbesserung der äußeren Haftbedingungen
Am 18.09.2002 Beginn der Montage der neuen, vernetzten Brandschutzmelder (derzeit sind in den Gefangenenunterkünften,
im Verwaltungstrakt und in den Arbeitsbetrieben ca. 90 Stück installiert und funktionsfähig). Die Abnahme der Anlage soll im
laufenden Jahr erfolgen.
Weiterhin ist für das laufende Jahr vorgesehen, noch je 1 zusätzliche Feuerschutztüre in den 3 Etagen der
Gefangenenunterkünfte einzubauen.
Um die geforderten Brandschutzauflagen zu erfüllen, wurde im Arbeitshof ein Unterstellplatz von ca. 30 Quadratmetern Größe
in Eigenregie gebaut. Das Arbeitsmaterial muss nun nicht mehr in den Gängen des Gefangenentraktes gelagert, sondern kann
außerhalb des Anstaltsgebäudes deponiert werden.
Nach andauernden Störungen der Heizung im Winter 2001/2002 wurde Anfang des Jahres 2002 der Wärmetauscher erneuert.
Weiterhin wurden die Gefangenenunterkünfte wieder neu getüncht und das Dach der Arbeitshalle mehrmals nachgebessert.
Wegen des sehr desolaten Zustandes der sanitären Anlagen mussten immer wieder Wasserrohrbrüche repariert werden.
Die Waschhalle sowie die alte Mauer (Grenze des ehemaligen Polizeihofes zum Nachbargrundstück) wurden abgerissen und durch
eine provisorische Holzverschalung vorübergehend abgesichert. Weiterhin wurde durch die vorhandenen Garagen eine Öffnung vom
Betriebshof der Anstalt zum ehemaligen Polizeihof gebrochen.
Die Heizungs- und Wasserleitungen zum Arbeitsbetriebsgebäude verliefen auf dem ehemaligen Grundstück „Essig-Mayer“ und
mussten deshalb neu verlegt werden.
Am 17.09.2002 wurde schließlich mit dem Aufstellen der Betonfertigteile der neuen Außenmauer begonnen. Die komplette
Fertigstellung der Mauer mit Inbetriebnahme des Torantriebs war im Dezember 2002. Eine Zufahrt zum Arbeitsbetrieb ist nun
möglich und insbesondere die Zufahrt des Schubbusses, der zuvor außerhalb des Anstaltsbereiches unmittelbar an der
Bundesstraße parken musste, bringt nun eine erhebliche Verbesserung der Sicherheit.
- Vollzugsgestaltung:
a) Allgemeine Vollzugsgestaltung und besondere Behandlungsformen
Die Strafgefangenen sind im geschlossenen Vollzug untergebracht. Auf Grund der kurzen Verweildauer ist ein sinnvoller
Gruppenvollzug nicht durchführbar.
Die Geistlichen beider Konfessionen und ihre Mitarbeiter halten wöchentlich Gesprächsgruppen ab.
Für problematische Gefangene sowie speziell für Sexualstraftäter führen Diplompsychologen Einzelbetreuungen durch. Die
Drogenberatung sowie die Einleitung von Alkohol- und Drogentherapien erledigt die Stadtmission Nürnberg, die Betreuung von
Gewalttätern übernimmt die Psychosoziale Beratungsstelle des Blauen Kreuzes in Eichstätt.
b) Arbeitsmöglichkeiten
9 Unternehmerbetriebe versorgten im Jahr 2002 die JVA mit Arbeit.
Daneben waren durchschnittlich 9-12 Gefangene als Freigänger eingesetzt.
- Personalverhältnisse
- Anstaltsleitung:
4 Bedienstete
- Fachdienst:
10 Bedienstete
- Allgemeiner Vollzugsdienst:
25 Bedienstete