- Historische Entwicklung
Bereits seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden auf dem Gelände
der heutigen Justizvollzugsanstalt Bernau Gefangene der Gefangenenanstalt Laufen
zu Moorkultivierungsarbeiten herangezogen. Im Jahre 1920 wurde aus dieser
Außenabteilung der Gefangenenanstalt Laufen die selbständige Strafanstalt Bernau.
Während für die Unterbringung der Gefangenen zunächst nur Baracken zur Verfügung
standen, hat man einige Jahre später auf einer Pfahlgründung im Moor mit der
Errichtung einer festen Unterkunft – des heutigen Hauses 1 – begonnen; diese wurde
im Jahre 1928 fertiggestellt.
Im Jahre 1956 wurde für die Moor- und Landwirtschaftsarbeiter etwa 3 km vom
Hauptgebäude entfernt ein weiteres Gebäude mit Gefangenenunterkünften
(das heutige Haus 9) seiner Bestimmung übergeben. Die im Hauptgebäude untergebrachten
Gefangenen wurden mehr und mehr zu anderen Arbeiten (insbesondere auch in
anstaltseigenen Handwerksbetrieben) herangezogen.
Im Jahre 1967 setzte dann ein umfangreicher Ausbau der Anstalt ein. Bis heute
wurden u. a. errichtet:
5 weitere Zellenbauten, ein Heizhaus (mit Elektrobetrieb), ein Wirtschaftsgebäude
(mit Küche, Bäckerei und Metzgerei), 5 Dienstwohngebäude, eine Gärtnerei und
3 Arbeitsbetriebsgebäude mit modern ausgestatteten Werkstätten, ein weiteres
Betriebsgebäude für die Zimmerei sowie ein zusätzliches Verwaltungsgebäude. Das
Hauptgebäude (Haus 1), die Kanalisation sowie die Wärmeversorgung der Anstalt wurden
von Grund auf saniert und die Anlagen zur Außensicherung (Torwachen, elektronisch
gesicherte Zäune) komplett erneuert.
Der Justizvollzugsanstalt Bernau sind die Justizvollzugsanstalten Traunstein und
Bad Reichenhall verwaltungsmäßig angeschlossen.
- Zuständigkeit und besondere Aufgaben der Anstalt
Die Anstalt ist zuständig für den Vollzug von Freiheitsstrafen im Wiederholungsfall
(sog. „Regelvollzug“) bis zu drei Jahren an erwachsenen Männern aus dem gesamten
südbayerischen Raum sowie für den Erstvollzug von Freiheitsstrafen bis zu 1 Jahr am
erwachsenen Männern aus den Amtsgerichtsbezirken Miesbach und Wolfratshausen.
- Belegungsfähigkeit
497 Einzelhafträume und 318 Gemeinschaftshafträume für
815 Gefangene.
Gesamtstand : 818 Gefangene
Durchschnittsbelegung : 814 Gefangene.
Größere Neubau- oder Umbaumaßnahmen, sonstige Vorhaben zur
Verbesserung der äußeren Haftbedingungen:
Es sind mehrere neue Gebäude, zunächst vor allem zur besseren Unterbringung der
Schlosserei und der Versorgungsbetriebe (Küche, Bäckerei, Metzgerei) und längerfristig
insb. zur Neuordnung und Erweiterung der Verwaltung (mit den Besuchsräumen für die
Gefangenen), sowie zur gesonderten Unterbringung der Zu- und Abgänge geplant.
Außerdem sollen angemessene Sportstätten und ein Andachtsraum eingerichtet werden.
Wegen der voraussichtlich langen Zeit bis zum Abschluss dieses Endausbaues wurde
1993 ein ehemaliger Arbeitsbetrieb in einen Kraftsport- und Gymnastikraum für die
Gefangenen umgestaltet, für die Verwaltung (in Leichtbauweise) ein Erweiterungsbau
mit zusätzlichen Büroräumen und einem Konferenzzimmer erstellt sowie im Anschluss
daran 1994/95 eine Erweiterung und Modernisierung des Besuchsbereichs für die
Gefangenen vorgenommen. Um die Sicherheitseinrichtungen der Anstalt den
zwischenzeitlich erweiterten technischen Möglichkeiten und Risiken anzupassen,
wurden - in der Hauptanstalt - außerdem ein stabiler Innenzaun zur Abgrenzung
getrennter Hofbereiche, eine Torwache zur besseren Kontrolle des Liefer- und
Gewerbeverkehrs, eine neue Haupttorwache mit Waffenkammer und Büroräumen für die
Dienstleitung sowie ein elektronisch gesicherter, doppelter Sicherheitszaun errichtet.
Zuletzt wurde ein Neubau erstellt, der das Verwaltungsgebäude 1 mit der neuen
Haupttorwache verbindet und neben der Personenschleuse und einem modernen
Besucherwarteraum auch die Zahlstelle und das Aktenarchiv der Anstalt enthält.
Haus 9 hat im Zuge einer seit Jahren schrittweise durchgeführten Generalsanierung
1997 zur besseren Außenabsicherung zunächst eine Videoüberwachungsanlage und 2000
einen äußeren Sicherheitszaun erhalten. Außerdem wurde eine an das Informationssystem
der Hauptanstalt angeschlossene, moderne Kommunikationsanlage eingebaut und
schließlich am neuen Außenzaun ein elektronisches Sicherungssystem installiert.
Vollzugsgestaltung
Allgemeine Vollzugsgestaltung und besondere Behandlungsformen
Im Hinblick auf die Größe und Zuständigkeit der Anstalt wird hier der
Differenzierung bei der Behandlung der Gefangenen besonderes Gewicht zugemessen.
In diesem Zusammenhang bestehen insbesondere folgende Behandlungsangebote:
1 Wohngruppenhaus mit vier Wohngruppen, davon eine Ausbildungswohngruppe für
Gefangene, die in Berufsausbildung stehen und eine Wohngruppe für besonders
betreuungsbedürftige Gefangene (insgesamt 81 Haftplätze)
1 Werkpädagogische Gruppe - ca. 5 Teilnehmer
1 Entlassungswohngruppe (8 Haftplätze)
1 Gesprächsgruppe der Anonymen Alkoholiker - ca. 12 Teilnehmer
1 Gesprächsgruppe für Drogenabhängige - ca. 8 Teilnehmer
1 Gesprächsgruppe zu Fragen der Verkehrssicherheit - 16 Teilnehmer
1 Beratungsgruppe für HIV-Positive Gefangene - ca. 5 Teilnehmer
1 Yogakurs - ca. 10 Teilnehmer
1 Zen-Meditationsgruppe - ca. 5 Teilnehmer
1 katholisches Glaubensforum - ca. 10 Teilnehmer
1 Emmaus-Gruppe - ca. 15 Teilnehmer
1 evangelisches Glaubensgespräch - ca. 15 Teilnehmer
1 Antiaggressionstraining „Power-for-Peace“ - ca. 20 Teilnehmer
Ehe- und Partnerschaftsseminare (unregelmäßig)
Daneben sind - im Rahmen der Freizeitgestaltung - folgende
Gruppenangebote vorhanden:
Schachgruppe
Verkehrsunterricht und Ausbildung in Erster Hilfe
Modellbaugruppe
Mal- und Bastelgruppen
Steinbildhauerkurs
Spielgruppe
Chorgruppe und
Sport (insb. Rasen- und Kraftsport und Tischtennis)
Arbeitsmöglichkeiten
Die Justizvollzugsanstalt Bernau unterhält insgesamt 19 Eigenbetriebe und
15 Unternehmerbetriebe.
Wichtige Eigenbetriebe:
Schreinerei, Schlosserei, Korbmacherei, Elektrobetrieb, Malerei, Metzgerei, Bäckerei,
Wäscherei, Baubetrieb, Zimmerei, Kfz-Werkstätte, Gärtnerei und Landwirtschaft.
Daneben erhalten täglich bis zu 70 Gefangene Gelegenheit, außerhalb der Anstalt
zu arbeiten (als Freigänger oder in Außenkommandos im Bereich der Landschaftspflege,
der Metallverarbeitung oder bei anderen Unternehmen).
Berufsausbildung und schulische Bildungsmaßnahmen
In der Ausbildungswohngruppe sind 18 Haftplätze für die Gefangenen vorhanden,
die eine Berufsausbildung in der Anstalt anstreben.
Insgesamt stehen 31 Ausbildungsplätze in anerkannten Ausbildungsberufen zur
Verfügung.
Im Jahr 2004 wurden hier 1 Zwischenprüfung im Bäcker-Handwerk, 3 Zwischenprüfungen
im Metallbauer-Handwerk sowie Abschluss- bzw. Gesellenprüfungen im Ausbildungsberuf
als Koch und Bäcker, eine theoretische Gesellenprüfung im Maler- und
Lackierer-Handwerk und eine schriftliche Prüfung als Restaurantfachmann mit
Erfolg abgelegt. Zudem konnten 11 Gabelstapler-Führerscheine sowie
4 Gebäudereiniger-Zertifikate an Gefangene übergeben werden.
Schulische Bildungsmaßnahmen
Berufsbegleitender Unterricht in den Fächern Rechnen und Sozialkunde bei
den Auszubildenden
Deutsch-Grundkurse (Elementarunterricht)
Deutschaufbaukurs
Deutschunterricht für Ausländer
Mathematik-Grundkurs (Elementarunterricht)
Mathematik-Aufbaukurs
EDV-Unterricht
Kurs „Bewerbung und Lebenslauf“
- Personalverhältnisse
- Anstaltsleitung:
2 Bedienstete
- Verwaltungsdienst:
45 Bedienstete
- Fachdienste:
15 Bedienstete (hauptamtlich)
2 Bedienstete (nebenamtlich)
1 Bediensteter (geringfügig beschäftigt)
- allgemeiner Vollzugsdienst:
182 Bedienstete
- Werkdienst:
47 Bedienstete