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1. Historische Entwicklung der Anstalt
Die Justizvollzugsanstalt Aichach wurde in den Jahren 1904 bis 1908 erbaut und im Januar 1909 erstmals mit weiblichen Gefangenen aus den Strafanstalten Wasserburg,
Würzburg und Kaiserslautern sowie der Gefangenenanstalt Sulzbach/Opf. belegt. Sie war ursprünglich nur für katholische weibliche Gefangene bestimmt.
Nach Anbau eines eigenen Betsaales wurden auch protestantische Gefangene aufgenommen.
Die Kosten für den Neubau der Anstalt einschließlich des 1924 erworbenen Gutshofes in Oberschneitbach bei Aichach betrugen 2.792.000 Reichsmark.
Die im panoptischen System angeordneten, unterkellerten vier Zellenflügel waren von Anfang an als Gefängnisbau bestimmt und wurden als Bau I bezeichnet.
Der seitlich angebaute Bau II diente seinerzeit der Unterbringung von Gefangenen mit Zuchthausstrafen. Ab 1968 wurde Bau II für einige Jahre als Jugendabteilung genutzt.
Seit 1975 befindet sich im Bau II die Männerabteilung.
Neben Zuchthaus- und Gefängnisgefangenen sowie Untersuchungsgefangenen war die Justizvollzugsanstalt Aichach ferner für die Aufnahme von Sicherungsverwahrten
und Arbeitshausgefangenen zuständig. 1935 war das Arbeitshaus für Frauen von Bayreuth nach Aichach verlegt worden.
Anfang 1966 waren nach der Schließung der Frauenstrafanstalt Rothenfeld bei Andechs alle dortigen erwachsenen Gefangenen
im Erstvollzug nach Aichach verlegt und in Bau I untergebracht worden. Anfang 1968 wurde auch die Jugendstrafanstalt Rothenfels
aufgelöst und sämtliche dort untergebrachten weiblichen Jugendstrafgefangenen in die Justizvollzugsanstalt Aichach überführt.
Auch das weibliche Personal dieser Anstalt wurde mit übernommen.
2. Zuständigkeit und besondere Aufgaben der Anstalt
2.1 Erwachsene weibliche Gefangene
Die Justizvollzugsanstalt Aichach ist für den gesamten Erst- und Regelvollzug von Freiheitsstrafen für Verurteilte aus dem Landgerichtsbezirk Augsburg zuständig.
Für Verurteilte aus den übrigen bayerischen Landgerichtsbezirken ist die Justizvollzugsanstalt Aichach für den Erst- und Regelvollzug von Freiheitsstrafen
teils über einen Monat, teils über drei Monate und für alle über sechs Monate zu Freiheitsstrafe verurteilten weiblichen Gefangenen zuständig, außerdem für alle
Schwangeren und Untersuchungsgefangenen, die ständig ärztlicher Versorgung bedürfen, da nur hier eine Krankenabteilung für Frauen besteht.
2.1.2 Untersuchungshaft
Die Justizvollzugsanstalt Aichach ist für den Vollzug der Untersuchungshaft an allen weiblichen erwachsenen und jugendlichen Gefangenen aus dem Landgerichtsbezirk Augsburg zuständig.
2.2 Jugendliche weibliche Gefangene
Für den Vollzug der Jugendstrafe an weiblichen Verurteilten aus sämtlichen bayerischen Landgerichtsbezirken ist ausnahmslos die Jugendabteilung der Justizvollzugsanstalt Aichach zuständig.
2.3 Männliche erwachsene Gefangene
Die Justizvollzugsanstalt Aichach ist für den Vollzug der Freiheitsstrafe an männlichen erwachsenen Gefangenen aus den Amtsgerichtsbezirken Aichach, Augsburg, Dillingen, Nördlingen, Ingolstadt, Neuburg (Donau) und Pfaffenhofen für den Erstvollzug mit einer Strafdauer bis zu 2 Jahren, aus den Amtsgerichtsbezirken Dachau und Fürstenfeldbruck für den Erstvollzug mit einer Strafdauer bis zu 18 Monaten und aus dem Amtsgerichtsbezirken Aichach, Augsburg, Kaufbeuren, Kempten und Lindau für den Regelvollzug bis zu 1 Jahr zuständig.
2.4 Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass in der Justizvollzugsanstalt Aichach eine Mutter-Kind-Abteilung besteht,
in welcher weibliche Gefangene mit ihren Kindern untergebracht sind. Die Kinder, die entweder beim Antritt der Strafe mitgebracht
oder während des Vollzugs der Freiheitsstrafe geboren werden, können in der Regel längstens bis zum 4. Lebensjahr in dieser Abteilung
belassen werden. Für Kinder, die älter als 4 Jahre sind, wird eine entsprechende Pflegestelle vermittelt.
3 Äußere Haftbedingungen
3.1 Belegungsfähigkeit
3.1.1 Erwachsene weibliche Gefangene
381 Plätze, darunter 6 Plätze des offenen Vollzugs. Von den 381 Plätzen können 261 für Einzelunterbringung und 120 für gemeinsame Unterbringung genutzt werden.
3.1.2 Jugendliche weibliche Gefangene
58 Plätze, darunter 6 Plätze des offenen Vollzugs. Von den 58 Plätzen sind 36 Plätze für Einzelunterbringung und 22 Plätze für gemeinsame Unterbringung vorgesehen.
3.1.3 Männliche Gefangene
Insgesamt 124 Plätze, darunter 78 Einzelhaftplätze und 46 Haftplätze für gemeinsame Unterbringung.
3.1.4 Die Gesamtbelegungsfähigkeit beträgt 563 Haftplätze.
3.1.5 In der Krankenabteilung können weibliche Gefangene stationär untergebracht werden. Ferner sind in der Mutter-Kind-Abteilung 10 Haftplätze für die Mütter der Kinder vorhanden.
3.2 Tatsächliche Belegung
3.2.1
| Erwachsene Frauen |
382 |
| Jugendliche Frauen |
31 |
| Männer |
145 |
| insgesamt |
558 |
Von den 413 Frauen befanden sich 61 in Untersuchungshaft, 279 zur Verbüßung einer zeitigen Freiheitsstrafe, 12 mit lebenslanger Freiheitsstrafe, 18 mit Ersatzfreiheitsstrafe, 32 Jugendstrafe, 6 vom Jugendstrafvollzug ausgenommen und 5 in Abschiebehaft.
Von den 145 Männern befanden sich 128 im Erst- oder Regelvollzug, 9 verbüßten eine Ersatzfreiheitsstrafe und 8 eine Jugendstrafe vom Jugendstrafvollzug ausgenommen.
3.2.2 Durchschnittsbelegung des vergangenen Jahres
| Frauen |
439,64 |
| Jugendliche |
40,49 |
| Männer |
133,60 |
| insgesamt |
573,24 |
3.3 Größere Neu- oder Umbaumaßnahmen, sonstige Vorhaben zur Verbesserung der äußeren Haftbedingungen
3.3.1 Hochbaumaßnahmen
Neubau einer Heizzentrale und einer Kfz-Schleuse, Erweiterung der Umwehrungsmauer, Umgestaltung des Torgebäudes und Sanierungsmaßnahmen, Erneuerung der gesamten Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, Bau eines Regenrückhaltebeckens.
Unter anderem sind in Zusammenhang mit diesen Maßnahmen folgende Sanierungen durchgeführt worden:
- Außensanierung der Anstaltskirche (1986 - 87)
- Bau eines Sportplatzes mit Außenanlagen (1986 - 88)
- Sanierung des Zentralgebäudes (1986 - 89)
- Sanierung der Zellengebäude (1986 - 93)
- Sanierung des Torgebäudes (1987 - 89)
- Sanierung des Verwaltungsgebäudes (1990 - 92)
- Sanierung des Wirtschaftsgebäudes (1990 - 93)
- Anschluss der Dienstwohngebäude an das Heizungsnetz der JVA (1991 - 93)
- Erneuerung des Vorplatzes an der Torwache (1992 - 93)
- Errichtung eines Besucherraumes mit Trennscheiben (1993)
- Innensanierung der Anstaltskirche (1993 - 94)
- Bau eines Allwettersportplatzes im Jugendhof (1993 - 94)
- Bau einer Warnanlage an der Anstaltsmauer (1994)
- Installierung eines 2. Transformators (1994)
- Sanierung des Wirtschaftshofes mit Bau einer Wertstoffsammelstelle
- (1994 - 95)
- Beseitigung von Brandschäden (1995)
- Einrichtung eines Behindertenhaftraumes (1995)
- Sanierung der Orgel der Anstaltskirche (1996)
- Einbau weiterer Heizkessel (1996)
- Einbau von Rauchabschlüssen in die Treppenhäuser des Verwaltungsgebäu-des, der Arbeitsgebäude und Zellengebäude (1996 - 98)
- Bau eines Sicherheitszaunes mit Videoüberwachung (1996 - 98)
- Renovierung des Therapiesaales (1997)
- Erneuerung der Hausalarm- und Brandmeldeanlage (1998)
- Sanierung des Kellerbodens unter dem D-Flügel (2000)
3.3.2 Weitere Hochbaumaßnahmen
- Neubau von Verkaufs- und Lagerräumen in der Anstaltsgärtnerei (1996 - 97)
- Neubau eines Verkaufsgewächshauses und Erweiterung des Parkplatzes (1997 - 98)
- Neubau der Mutter-Kind-Abteilung (1997 - Frühjahr 1999)
- Sanierung der Krankenabteilung (ab 1998 bis voraussichtlich Juni 2000)
- Neubau eines Seminargebäudes mit Bedienstetenwohnheim (ab 2000)
- Neubau eines Wäschereigebäudes (ab 2001)
- Abriss des bestehenden Bedienstetenwohnheimes und Neubau eines Gebäu-des für die Kindertagesstätte und für Zwecke des offenen Vollzuges (voraussichtlich ab 2003)
- Sanierung des Wirtschaftsgebäudes (ab 2003)
4 Vollzugsgestaltung
4.1 Allgemeine Vollzugsgestaltung und besondere Behandlungsformen, Wohngruppenvollzug, einzel- oder gruppentherapeutische Maßnahmen.
4.2 Arbeitsmöglichkeiten
weibliche Gefangene:
Industrienäherei, Schneiderei, Küche, Bäckerei, Wäscherei, Büglerei,
Gärtnerei, Blumenbinderei, Friseurbetrieb, verschiedene Montagearbeiten,
Verpackungsarbeiten, Bibliothek, Hausarbeiten, Arbeitstherapie.
männliche Gefangene:
Kfz-Betrieb, Bau-Betrieb, Bau-Zeichnen, Schreinerei, Malerei, Schlosserei,
Installations-Betrieb, Elektro-Betrieb, Gärtnerei, Metallmontagearbeiten,
Hausarbeiten.
4.3 Es bestehen folgende Ausbildungsmöglichkeiten:
Bäckerin, Bekleidungsnäherin, Damenschneiderin, Friseuse, Floristin,
Hausgehilfin. Im Wege des Freigangs Pflegehelferin, Bürokauffrau,
Einzelhandelskauffrau, Fachverkäuferin, Köchin.
4.4 Schulische Bildungsmaßnahmen:
Gewöhnlicher und qualifizierender Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Berufschulunterricht, Grundausbildungslehrgang für kaufmännische Berufe,
Kurse für Fremdsprachen, Kurse für Schreibtechnik, EDV-Unterricht, Deutschkurs für Ausländer und Legastheniker.
5 Personal der Justizvollzugsanstalt
5.1 Anstaltsleitung
Anstaltsleiter, Vertreter, weiterer Jurist.
5.2 Verwaltung
1 Verwaltungsdienstleiter
Insgesamt 29 Bedienstete,
davon 8 gehobener Vollzugsverwaltungsdienst (1 Teilzeit), 10 mittlerer Verwaltungsdienst (1 Teilzeit) und 13 Verwaltungsangestellte (7 Teilzeit, 1 Beurlaubt ohne Bezüge)).
5.3 Fachdienste
Insgesamt 23 Bedienstete,
davon 3 Ärztinnen für Allgemeinmedizin (2 Teilzeit), 1 Facharzt für Psychiatrie (Teilzeit), 1 Pfarrerin (ev) 1 Pfarrer (rk), 2 Psychologinnen, 1 Psychologe (Teilzeit) 3 Lehrerinnen (3 Teilzeit), 6 Sozialpädagoginnen (3 Teilzeit), 1 Sozialpädagoge, 3 Erzieherinnen (2 Teilzeit).
5.4 Allgemeiner Vollzugsdienst
Frauenabteilung
1 Leiterin des allgemeinen Vollzugsdienstes
Insgesamt 141 Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes,
davon 72 Beamtinnen (11 Teilzeit), 39 Angestellte im JVD (2 Teilzeit, ) 1 Angestellte im Erziehungsdienst und 5 Beamtenanwärterinnen in Ausbildung. Insgesamt befinden sich davon 4 im Erziehungsurlaub,7 Beurlaubt ohne Be-züge, 1 an andere Anstalten abgeordnet. Aktiven Dienst leisten 99 (ohne Anwärter, ohne ErzUrl, und Beurl. ohne Bezüge) wenn weiter die Anteile der Teilzeit Berücksichtigung finden, sind es nur noch 93 Bedienstete (ohne Berücksichtigung der geringeren Arbeitszeiten der 39 Angestellten ). 1 Bäckermeister, 1 Metzgermeister (Küche), 1 Wäschemeister.
Männerabteilung:
1 Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes
Insgesamt 42 Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes,
davon 37 Beamte, 3 Angestellte im JVD, 1 Beamtenanwärter in Ausbildung und 2 Staatsarbeiter als Kraftfahrer.
5.5 Werkdienst
Werkdienstleiter:
1 Bediensteter des gehobenen technischen Dienstes.
Insgesamt 20 Bedienstete des Werkdienstes,
davon 1 Friseurmeisterin, 2 Gärtnermeister/in (1 Teilzeit), 2 Schlossermeister, 2 Schreinermeister, 2 Maurermeister, 2 Elektroinstallateurmeister, 1 Speng-lermeister, 1 Kraftfahrzeugmechanikermeister, 1 Schneidermeisterin, 1 Floris-tenmeisterin, 1 Kraftfahrzeugmechaniker, 1 Maurer und 1 Heizungsbauer als Angestellte im Werkdienst und 1 Heizungs- und Lüftungsbauer als Staatsarbeiter, (1 Schreinermeister von München abgeordnet).
5.6 Krankenpflegedienst
1 Pflegedienstleiterin
Insgesamt 17 Krankenschwestern (2 Teilzeit und 2 Erziehungsurlaub) darunter 2 Kinderkrankenschwestern.
6. Namen der parlamentarischen Anstaltsbeiräte
MdL Angelika Schorer
MdL Dr. Simone Strohmayr
7. Kindertagesstätte
Die Kindertagesstätte wurde 1981 zur Betreuung der Kinder der in der Justizvollzugsanstalt beschäftigten Bediensteten eingerichtet. Sie ist werktags von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet, so dass auch Bedienstete, die Schichtdienst leisten, ihre Kinder dort unterbringen können. Die Kinder werden von drei Erzieherinnen beaufsichtigt und betreut. Ferner ist ihnen eine Gefangene als Hilfskraft beigegeben.
In der Kindertagesstätte können Kinder vom Säuglingsalter bis zum 6. Lebensjahr untergebracht werden. Sie ist durchschnittlich mit 15 bis 20 Kindern belegt.
Seit dem Kindergartenjahr 1996/1997 besteht die Möglichkeit, bis zu 3 Schulkinder der ersten beiden Grundschulklassen nach Ende des Unterrichts aufzunehmen und zu betreuen.
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